Das Problem
Warum Latein in der Schule so oft schwerfällt
Fast jeder, der bei mir anfängt, bringt denselben Satz mit: „Ich verstehe die Grammatik, aber ich kriege den Text trotzdem nicht auf." Das ist kein Widerspruch, sondern die folgerichtige Wirkung einer Methode.
Übersetzen ist nicht Lesen
Im Schulunterricht wird ein lateinischer Satz in aller Regel zerlegt: Man sucht das Prädikat, bestimmt das Subjekt, ordnet die Objekte zu, klärt die Nebensätze und setzt das Ganze anschließend auf Deutsch wieder zusammen. Das ist ein Verfahren, und es funktioniert – aber es ist ein Verfahren aus der Mathematik, nicht aus der Sprache.
Wer eine Sprache liest, tut nichts dergleichen. Sie lesen diesen Satz gerade, ohne sein Prädikat zu suchen. Genau diese Fähigkeit wird beim Zerlegen nicht geübt, weil sie nicht gebraucht wird.
Was dabei trainiert wird – und was nicht
Das Verfahren schult das analytische Denken, und zwar wirksam. Wer es beherrscht, kann jeden Satz aufdröseln, für den er genug Zeit und ein Wörterbuch hat.
Was es nicht schult, ist das Sprachgefühl: jenes Erkennen von Mustern, das einem sagt, wie ein Satz weitergehen wird, bevor man ihn zu Ende gelesen hat. Ohne dieses Gefühl bleibt jeder neue Text wieder Arbeit von vorn. Die Vorbereitung auf die nächste Klassenarbeit macht die übernächste nicht leichter.
Das ist nicht die Schuld der Lehrer
Ein Lehrer hat 28 Schüler, einen Lehrplan und eine Arbeit, die eine bestimmte Form hat. Übersetzungen mit Punkteschlüssel lassen sich in dieser Lage zuverlässig abfragen und bewerten – Leseverständnis viel schwerer. Die Methode ist eine Antwort auf die Rahmenbedingungen, nicht auf die Sprache.
Deshalb arbeite ich auch nicht gegen den Schulunterricht. Die Klassenarbeit wird geschrieben, wie sie geschrieben wird, und darauf bereiten wir vor. Nur der Weg dorthin ist ein anderer.
Was daraus für Nachhilfe folgt
Mehr vom selben hilft nicht. Wer Sätze zerlegt und daran scheitert, wird durch das Zerlegen weiterer Sätze nicht besser – er wird schneller müde.
Sinnvoller ist es, die fehlende Hälfte nachzuholen: das Lesen. Wie das praktisch aussieht, steht auf der Seite zur Lesemethode.
Wenn Sie es ausprobieren möchten, wählen Sie einen freien Termin. Die erste Stunde kostet 30 €, abgerechnet wird nach der Stunde.